Im folgenden stelle ich Ihnen einige abgeschlossene Fälle aus meiner Praxis
in anonymisierter Form vor:

 

 
 

S...... weiblich

Vorgeschichte:

S. war ein Jahr alt als die Mutter verstarb. Ihre Kindheit war geprägt von innerer Einsamkeit und dem Gefühl dem Vater keine Sorgen machen zu dürfen. Sie war gezwungen früh selbständig zu sein. Da sie das einzige Kind war hatte sie das Gefühl für den Vater verantwortlich zu sein. Sie nahm die Rolle der Frau in der Familie ein.

Nach kurzer Zeit kam die erste Stiefmutter ins Haus mit der sich S. gar nicht verstanden hatte. Als sie die 3. Klasse besuchte war sie mit ihrem Vater dann wieder alleine. Sie spürte dass sie mit guten Schulleistungen Anerkennung von ihrem Vater bekam und konzentrierte sich sehr darauf. Gleichzeitig begann sie jedoch schon in diesem jungen Alter das Rauchen und Trinken. Später auch mit dem Konsum von illegalen Drogen.

Ihre 2. Stiefmutter lehnte sie Anfangs auch ab doch schon bald gewann sie Vertrauen und fühlte sich von ihr verstanden. Mir ihrer Hilfe ging sie im Alter von 15 für ein Jahr in eine stationäre Sucht-Klinik. Eine betreute Wohnform für ehemalig Abhängige schloss sich an bevor sie ins aussenbetreute Wohnen wechselte und für ca. 2 Jahre von mir betreut wurde.

Betreuung: (betreutes Wohnen)

Inhalte der Betreuung waren ihre weiterhin bestehende Sucht-Struktur (Alkohol, illegale Drogen sowie eine Ess-Brech-Sucht), ihre schulische Überforderung bei gleichzeitig sehr guten Noten, psychosomatische Beschwerden, berufliche Orientierung, Aufarbeitung und Klärung familiärer Konflikte, Gestaltung einer sinnvollen Freizeit, Krisenintervention, soziale Kontakte, Beziehungen zu Männern, Eigenverantwortlichkeit und Probleme mit dem Alleinsein.

Rückblick:

kleinere Erfolge konnten immer wieder erzielt werden. Sie schaffte gegen Ende der Massnahme ihr Abitur mit sehr guten Noten und meldete sich zum Studium an.

 

C.... männlich

Vorgeschichte:

C. ist das älteste von insgesamt 3 Kindern. Schon früh gab es Probleme mit ihm. Innerhalb der Familie äusserte sich das durch extreme Eifersucht auf einen der beiden Brüder. Der gegensätzliche Erziehungsstil der Eltern, die beginnende Pupertät und ein Umzug erschwerten die Situation zusätzlich.

Schulisch gab es von der 1. Klasse an Probleme die auch protokolliert wurden. Er sei ein sehr eigenwilliger Schüler gewesen der Probleme bei der Integration in die Klassengemeinschaft habe. Sein Register der negativen Vorfälle ist lang: Verweigern der Mitarbeit, Provokation von Lehrern, Unterschlagen von Geld, Gefährdung durch Spielen mit Feuerwerkskörpern, Bespucken von Mitschülern, Brandstiftung, Teilnahme an einem Diebstahl ect..

Als C. 12 Jahre alt war wurde das Jugendamt um Hilfe gebeten. Nachdem ambulante Massnahmen nicht den gewünschten Erfolg brachten wurde er in einer Jugendwohngruppe untergebracht. Doch auch dort gab es Probleme und der Aufenthalt in einer jugendpsychiatrischen Einrichtung wurde in Erwägung gezogen. Schliesslich kehrte er wieder nach Hause zurück von wo aus das betreute Wohnen beantragt wurde.

Betreuung: (Betreutes Wohnen)

Er lebte 2 Jahre im einzelbetreuten Wohnen und wurde von mir unterstützt.

Inhalte der Betreuung waren zu Beginn die Strukturierung in der Familie solange eine geeignete Wohnung gefunden wird. Dies erwiess sich als sehr schwierig da ein reibungsloser Alltag nicht mehr möglich war. C. musste bis zum Bezug der eigene Wohnung notdürftig untergebracht werden.
Ich erlebte C. von Anfang an als sehr ungewöhnlich, unnahbar und nicht altersgemäss in der Entwicklung. Einen wirklichen intensiven Zugang konnte ich bis zum Schluss nicht zu ihm aufbauen.
Wie sich herausstellte projezierte er wohl seine negativen Erfahrungen mit der Mutter auf mich und in seinem Verständnis nahm ich deren Rolle ein sobald ich ihm Grenzen aufzeigte.
Zentrale Themen die sich über den ganzen Betreuungszeitraum erstreckten waren seine extreme Unordendlichkei bis hin zu Unsauberkeit, sein soziales Verhalten, seine Isolation in der Freizeit und fehlende Eigenverantwortung. Kleinere Erfolge konnten immer wieder erzielt werden.Trotz Schwierigkeiten in der Arbeit schaffte er es auch seine Lehre zu beenden. Die Massnahme im Betreuten Wohnen endete vereinbarungsgemäss kurz nach Abschluss der Lehrzeit.

Rückblick:

Leider wurde er von seinem Arbeitgeber nicht übernommen und musste sich arbeitslos melden. Die Anforderungen die nun auf ihn zukamen sein Leben eigenverantwortlich zu führen konnte er leider in keinster Weise bewältigen. Er zog sich noch mehr zurück und kümmerte sich um keinerlei Verpflichtungen mehr. Termine beim Arbeitsamt liess er verstreichen und auch um die Mietzahlungen kümmert er sich nicht mehr. Auch die intensiven Bemühungen seines Vaters ihn zu unterstützen nimmt er nicht wahr. Er hat sich komplett in eine innere Welt zurück gezogen und verbringt seine komplette Zeit damit Computerspiele zu spielen.

 

V.... weiblich

Vorgeschichte:

V. ist das jüngere der beiden Kinder einer alleinerziehenden Mutter. Der Vater ist neu verheiratet und lebt einige Kilometer entfernt. Es bestehe ein regelmässiger aber nicht all zu intensiver Kontakt zum Vater und seiner neuen Frau.
Als V. 13 war lernte ihre Mutter einen neuen Mann kennen der bereits nach kurzer Zeit mit seinen beiden kleinen Kindern zu der Familie zog. Damit begannen die Probleme mit V. die gerade mitten in der Pupertät steckte.

Betreuung (Erziehungsbeistandschaft)

V. mochte den neuen Lebensgefährten der Mutter nicht und hatte auch Probleme mit seinen Kindern für die sie ihr Kinderzimmer aufgeben musste und zu ihrer Schwester "verlegt" wurde. Ihr ablehnendes Verhalten äusserte sich in Schulproblemen, in Nichteinhalten von Regeln und Grenzen, einem übersteigerten Freiheitsdrang usw. Das führte soweit dass sie von der Realschule verwiessen wurde und fortan die Hauptschule besuchte, sie kam oft die ganze Nacht nicht nach Hause, hielt sich an keine Absprachen und Regeln und die Situation drohte zu eskalieren. Es wurde eine Heimunterbringung in Erwägung gezogen der V. auch zustimmte.
Doch das war dem Vater nicht recht der V. dann lieber zu sich und seiner Frau nehmen wollte.Alles schien geregelt als sich aber seine Frau dagegen aussprach. Also kam V. zur Schwester des Vaters - ihrer Tante. Diese wohnte nicht weit von der Mutter entfernt und V. hatte sich in ihrer Familie schon immer wohl gefühlt.
V. fügte sich für ihre Verhältnisse sehr gut in das Familienleben ein doch der Tante wurde der Druck einfach zu gross. Sie hatte Angst etwas falsch zu machen und ärgerte sich über ihren Bruder der sich weder finanziell noch anderweitig kümmerte nachdem er seine Tochter bei ihr untergebracht hatte.
In der ganzen Unsicherheit wie es weiter gehen sollte besuchte V. ganz überraschend und aus eigenem Antrieb ihre Mutter und die beiden versöhnten sich. Die Mutter trennte sich von ihrem Lebensgefährten und dieser zog mit seinen Kindern wieder aus.
Damit waren die grössten Probleme gelöst und eine konfliktreiche Zeit war damit beendet. Fortan bestand die Betreuung noch darin kleinere schulische Probleme zu lösen, Absprachen zwischen V. und ihrer Mutter zu vereinbaren und ihr Freizeitverhalten zu strukturieren.

Rückblick:

V. schaffte mit sehr guten Noten ihren QA. Sie wurde immer selbstbewusster und reifer. Das Verhältnis zu ihrer Mutter hat sich wesentlich gebessert. Von ihrem festen Freund wurde sie im Alter von 15 schwanger. Das Kind ist inzwischen auf der Welt und obwohl die Betreuung beendet ist habe ich einen sehr guten Kontakt zu der jungen Frau die nun selbst Mutter ist. Sie kümmert sich für ihr Alter sehr sorgsam und eigenverantwortlich für ihr Kind und lebt in glücklicher Beziehung mit dem Vater des Kindes.

 

 
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